Diabetes

Der Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, ist eine stark im Steigen begriffene Zivilisationskrankheit, man spricht mittlerweile von einer Diabetesepidemie. Man unterscheidet dabei den seltenen Typ I, der von Beginn an Insulin benötigt, vom Typ II, der die viel häufigere Form darstellt und gewissermaßen eine Wohlstandskrankheit ist. Das Fehlen von Beschwerden über lange Zeit, während im ganzen Körper bereits Gefäßverstopfungen (Arteriosklerose) auftreten, macht den Diabetes so tückisch. 

 

Wir behandeln den Diabetes nach modernsten Erkenntnissen, und therapieren als Experten die Begleiterkrankungen des Diabetes (arteriosklerotische Erkrankungen, Bluthochdruck, Übergewicht, Fettstoffwechsel, Nierenerkrankungen). Wir machen regelmäßige Kontrollen auf diabetesbedingte Langzeitfolgen, bzw. behandeln sie, wenn sie bereits eingetreten sind. In Zusammenarbeit mit Neurologen und Augenarzt werden Nervenstörungen und Netzhautveränderungen der Augen behandelt. 
Wir vergeben und erklären ein Blutzuckermessgerät und bei Bedarf einen Insulinpen, und geben Ihnen Information über Möglichkeiten, um an einer strukturierten Diabetesschulung teilzunehmen. Wir selber können aufgrund unserer sonstigen Tätigkeiten keine Schulung anbieten. 

Ziel der Therapie ist die Steigerung des Wohlbefindens, sowie die Vermeidung von Folgeschäden (siehe unten), die durch mangelhafte Blutzuckereinstellung auftreten. Zur Beurteilung dient dazu nicht nur die Blutzuckermessung, sondern auch der Langzeitwert: Kennen Sie Ihren HbA1c-Wert? Er sollte unter 7,0% sein, damit Folgeschäden verhindert werden. Von allzu ehrgeizigen Versuchen, den HbA1c zu senken, ist man allerdings in letzter Zeit wieder abgekommen. Doch nach wie vor ist die erfolgreiche Therapie am meisten an Ihre Mitarbeit gebunden. Der HbA1c-Wert sollte viertel- bis halbjährlich bestimmt werden, und die Therapie bei schlechten Werten geändert werden. 

Informationen rund um den Diabetes mellitus

Das Insulin ist ein Botenstoff, der den Zuckerhaushalt regelt. Produziert wird Insulin in der Bauchspeicheldrüse, in den so genannten Betazellen. Es bewirkt, dass der wichtigste Energieträger unserer Ernährung, die Glucose (Traubenzucker), vom Blut hinein in das Körpergewebe, vor allem Leber, Muskeln und Fettgewebe, aufgenommen wird. Insulin ist sozusagen der Schlüssel, der der Glucose die Tür ins Gewebe aufsperrt.

 

Insulinstoffwechsel beim Diabetes

Beim Typ I kommt es zu einer Zerstörung der Betazellen durch das eigene Immunsystem, und die Folge ist die fehlende Produktion. Damit kann die vorhandene Glucose nicht mehr ins Gewebe aufgenommen werden, und den Körperzellen steht als einzige Energiequelle die anaerobe Fettverbrennung zur Verfügung, womit der Körper übersäuert. Ohne Insulinbehandlung entwickelt sich bald ein lebensbedrohlicher Zustand, eine Tablettentherapie ist völlig unwirksam.
Beim Typ 1 Diabetes besteht ein gewisses erbliches Risiko, das Auftreten und die Entwicklung ist jedoch schicksalhaft und kann durch keine medizinische Maßnahme beeinflusst werden. Er kann in jedem Lebensalter auftreten, bevorzugt jedoch bei jüngeren Menschen unter 40 Jahren, und dabei unabhängig vom Körpergewicht.

Demgegenüber wird beim Typ II ausreichend Insulin produziert, und sogar jahrelang vor der Entdeckung der Erkrankung in vermehrter Menge, jedoch kann das Gewebe nicht ausreichend reagieren (man nennt das Insulinresistenz). Wenn man sich Insulin als den Schlüssel vorstellt, mit dessen Hilfe die Glucose ins Gewebe eintreten kann, ist hier das Schloss defekt, die Glucose muss mehrere Schlüssel gleichzeitig einstecken. Durch die jahrelange Überproduktion erschöpft sich die Bauchspeicheldrüse schließlich einmal, und produziert dann kaum mehr Insulin, womit dann auch der Typ II Diabetiker Insulin benötigt.
Die Entwicklung eines Typ II Diabetes hat ein hohes erbliches Risiko (wobei es keine Überschneidungen von Typ I und II gibt), und wird vor allem durch Übergewicht und ungesunden Lebensstil gefördert. Der typische Typ II Diabetiker hat Übergewicht und ist meist über 40 Jahre alt, jedoch nimmt diese Form auch bereits bei dicken jungen Menschen eine besorgniserregende Häufigkeit an.

 

Das metabolische Syndrom beim Diabetes Typ II

Vermutlich steht am Anfang eine erbliche Belastung, die den Menschen für die Entwicklung aller weiteren Erkrankungen empfänglich macht, und ein durch Überernährung bedingtes Übergewicht. Als Folge der beiden entwickelt sich nicht nur der Diabetes, sondern meist auch:
hoher Blutdruck
erhöhte Blutfettwerte
erhöhte Harnsäure.
Jeder einzelne dieser Faktoren kann zu einer Gefäßverkalkung führen, und in der Kombination haben Typ II Diabetiker ein stark erhöhtes Atheroskleroserisiko.

 

Folgeerkrankungen des Diabetes

Die gefährlichste Folge eines Diabetes ist die Arteriosklerose (Atherosklerose). Sie kann an jedem Ort des Körpers auftreten und verursacht die Verstopfung kleiner (Mikroangiopathie) und großer (Makroangiopathie) Gefäße. Dies führt zu stark erhöhtem Risiko von:

  • Herzinfarkt, koronare Herzerkrankung
  • Schlaganfall
  • Schaufensterkrankheit, PAVK, diabetischer Fuß
  • Erblindung durch diabetische Retinopathie
  • Nierenschädigung  durch die diabetische Nephropathie
  • Potenzproblemen

 

 

Weiters führt hoher Blutzucker zu Nervenschädigungen, die diabetische Neuropathie genannt werden:
Sie führen zu Taubheitsgefühl, Kribbeln, brennenden Schmerzen, Kraftlosigkeit in den Beinen, selten auch in den Armen, zu einer verminderten Reaktion des Kreislaufs auf Stress im sympathischen Nervensystem, sowie zu Magen- und Blasenentleerungsstörungen.

Die Folgeschäden des Diabetes treten jedoch manchmal bereits vor dem Erkennen des Diabetes auf. Bei  jedem zweiten Herzinfarktpatient stellt sich heraus, dass er bisher unerkannter Diabetiker ist oder zumindest schon eine Vorstufe des Diabetes hat.

Folgeerkrankungen sind vermeidbar. Wie wir mittlerweile wissen, sind die Folgeerkrankungen durch eine gute Therapie und gute Blutzuckerspiegel abhängig vom Ausmaß vermeidbar, stoppbar, eventuell rückgängig zu machen, in jedem Fall aber verlangsambar. 

 

Diabetes und Diät

Während früher der allgemeine Rat war, generell alle Kohlenhydrate (Glucose, Zucker, Stärke usw.) zu vermeiden, setzen wir nun auf eine gesunde Ernährung. Diese besteht vor allem in der Aufnahme fettarmer, gesunder, hochwertiger Ernährung (auch als "Mittelmeerdiät" bekannt). Süßspeisen sind ein gelegentliches Genussmittel, aber nicht regelmäßiger Bestandteil der Ernährung, und fette Fleischspeisen sind generell zu meiden. Die Basis stellt die reichliche Zufuhr von (nicht zu süßem) Obst und Gemüse dar, die wegen der Ballaststoffe schneller zu Sättigungsgefühl führen. Kohlenhydrate sollten möglichst wenig verarbeitet verspeist werden: ein Vollkornbrot ist gesünder als eine Semmel, und eine Kartoffel besser als ein Knödel. Künstliche Fette und Margarinen sind durch Öle (Olivenöl, Erdnussöl, Rapsöl, Sesamöl, Mohnöl) ersetzbar. Alle diese  Maßnahmen sind jedoch nicht nur Diabetikern, sondern allen Menschen als gesunde Ernährung zu empfehlen.
Während der schlanke Diabetiker bei entsprechender Insulintherapie (intensivierte Insulintherapie oder funktionelle Insulintherapie) sich keinen weiteren Einschränkungen aussetzen muss, sollte der übergewichtige Typ II Diabetiker in erster Linie sein Gewicht reduzieren. Die Gewichtsreduktion und die gesunde Ernährung sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Therapie und einer gesunden Zukunft. In einer Diabetesschulung lernen Sie alles erforderliche Wissen.
Broteinheiten sind ein Hilfsinstrument von insulintherapierten Diabetikern, die ihnen helfen, 
- die in der Nahrung enthaltene Glucose abzuschätzen und dementsprechend ihre Insulindosis anzupassen, 
- oder, bei fixem Insulinschema, den Glucosegehalt ihrer Mahlzeiten entsprechend einem festgelegten Tagesplan einzuteilen. 
1 Broteinheit= 10-12g Glucose
Die Kenntnis um Broteinheiten bedarf einer eigenen Schulung.

 

Therapiemöglichkeiten

Die moderne Diabetestherapie kann auf zunehmend mehr Substanzen zurückgreifen, wobei der Diabetesspezialist weiß, welche Kombinationstherapien für welche Patienten in Frage kommen.


Tabletten:


Sulfonylharnstoffe: 
Sie pressen der Bauchspeicheldrüse noch höhere Mengen an Insulin aus. Man nimmt sie meist morgens etwa eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten, manchmal auf 2 Einzeldosen und manchmal auch nur abends. Nachteil ist das bei den meisten Präparaten bedeutsame Risko einer Unterzuckerung, sodass nur mehr zwei Präparate gebräuchlich sind, und dabei kommt dem Gliclacid mittlerweile eine einzigartige Stellung aufgrund des guten Sicherheitsprofils zu.


Metformin:
bewirkt eine Verbesserung des Ansprechens des Gewebes auf das Insulin, das Schloss verbessert sich.  Wird nach Möglichkeit auf 2 mal täglich 1000mg gesteigert, und kann am Anfang der Therapie Blähungen und Appetitlosigkeit hervorrufen. Voraussetzung ist eine einwandfreie Leber- und Nierenfunktion, ansonsten kann es zu lebensbedrohlicher Übersäuerung kommen. Bei gesunder Organfunktion ist die Therapie bedenkenlos.

Resorptionshemmer (Alpha-Glucosidasehemmer):
bewirken eine verzögerte Aufnahme von Glucose vom Darm in die Blutstrombahn. Sie haben keine direkt blutzuckersenkende Wirkung, weswegen ihre Wirkung begrenzt ist. Als Nebenwirkung tritt häufig Blähung und Durchfall auf, womit sie keine große Rolle in der Therapie spielen.


Releaser (Glinide):
bewirken eine vermehrte Ausschüttung von Insulin zu den Mahlzeiten. Ihre Wirkung tritt schnell ein und währt nur kurz, weswegen sie unmittelbar zu Beginn der Hauptmahlzeiten genommen werden. Nachdem sie ein nicht unbedeutendes Risiko für Unterzuckerungen haben, gelten sie nur mehr als Nischenpräparat.


Sensitizer (Glitazone):
Bewirken ähnlich wie Metformin ein erhöhtes Ansprechen auf Insulin. Sie führen aber zu einer vermehrten Wassereinlagerung ins Gewebe und häufig zu Fettzuwachs, weiters besteht ein Osteoporoserisiko. Voraussetzung für die Therapie ist eine einwandfreie Leber- und Herzfunktion, eine eingeschränkte Nierenfunktion ist hingegen keine Kontraindikation. Auch wenn sie über eine hervorragende blutzuckersenkende Wirkung verfügen, kommen sie aufgrund der Nebenwirkungen und fehlender Daten zum langfristigen Nutzen nur mehr selten zum Einsatz.

 
Sensitizer (Glitazare):
Diese sollen die selben Wirkungen entfalten wie die Glitazone, und zusätzlich erhöhte Blutfettwerte senken. Die bisher entwickelten Substanzen sind wegen häufiger Nebenwirkungen nicht zugelassen worden. Die Erforschung besser verträglicher Vertreter dieser Substanzklasse ist aber von der Pharmaindustrie noch nicht ganz aufgegeben worden.


DPP4-Hemmer (Gliptine):
Sie hemmen den Abbau des Hormons GLP-1. Höhere Spiegel von GLP-1 führen zu vermehrter Insulinfreisetzung, zur Hemmung von Glucagon, beschleunigter Magenentleerung und reduziertem Hungergefühl. Auf diese Weise kommt es zur Senkung des Blutzuckers. Gliptine scheinen eine hervorragende Wirksamkeit vor allem dann zu haben, wenn sie bald nach Diagnosestellung eingesetzt werden. Sie lassen sich besonders gut mit Metformin kombinieren, eine Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin ist nur in Einzelfällen sinnvoll, eine Kombination mit SGLT-2 Inhibitoren ist jedoch sehr sinnvoll. Nachdem diese Präparate keine schwerden Unterzuckerungen hervorrufen können, haben sie sich breit als Alternative zu den Sulfonylharnstoffen durchgesetzt.


Inkretinmimetika:
Exenatide: Ist ein biotechnologisch nachgemachter Stoff aus dem Speichel der Gila-Krustenechse, und dem GLP-1 so ähnlich, dass es im Menschen die selbe Wirkung entfaltet.
Liraglutid, Lixisenatid, Dulaglutid: sind biotechnologisch produzierte Analoga des menschlichen GLP-1.
Inkretinmimetika müssen als Injektion unter die Haut gespritzt werden. Sie sind sehr teuer und nur mit chefärztlicher Sondergenehmigung verschreibbar. Auch sie sind neu und wir wissen noch nichts über deren Effekte nach langjähriger Therapie, aber auch hier sind die bisherigen Erfahungen und Forschungsergebnisse sehr positiv.


SGLT2-Inhibitoren:
Bewirken eine Blutzuckersenkung durch vermehrte Glucoseausscheidung über den Harn. Die bisherigen Erfahrungen sind sehr vielversprechend, für manche Präparate gibt es sehr positive Forschungsergebnisse. 

Insulin: 
Humaninsuline:
gibt es als kurzwirksame Altinsuline und als langwirksame Verzögerungsinsuline, und sie sind auch in fixer Kombination erhältlich (Mischinsuline).


Insulinanaloga:
Sind veränderte Formen von Insulin, bei denen entweder:
die Wirkung schneller eintritt als bei Altinsulin, oder
die Wirkung länger anhält als bei Verzögerungsinsulinen.
Insulinanaloga sind vermutlich den Humaninsulinen überlegen, jedenfalls, was das Hypoglykämierisiko betrifft.
Alle Insuline und Insulinanaloga werden bereits seit vielen Jahren ausschließlich biotechnologisch hergestellt.

Insulinschemata:
Basal unterstützte Orale Therapie (BOT):
Hier liegt der Schwerpunkt auf der Tablettentherapie. Vor dem Schlafengehen wird ein Verzögerungsinsulin gespritzt, damit die Bauchspeicheldrüse nachts entlastet wird.

Konventionelle Insulintherapie (CT, ICT):
Hier wird meist zwei bis drei mal täglich ein Mischinsulin oder Altinsulin zu festgelegten Tageszeiten verabreicht. Manchmal ist auch nur die einmalige Verabreichung von Insulin sinnvoll. Die Nahrungsaufnahme und die Anzahl der Broteinheiten richtet sich bei der CT nach der Insulintherapie, bei der ICT richtet sich die Insulindosis ähnlich wie bei der FIT nach der Nahrungsaufnahme.


Funktionelle Insulinherapie (FIT):
Zu fixen Zeiten wird zweimal täglich der nahrungsmittelunabhängige Insulinbedarf (Basis) in Form von Verzögerungsinsulin verabreicht, und abhängig von den Mahlzeiten und deren Kohlenhydratgehalt wird ein schnell wirksames Insulin(analogon) gespritzt (Bolus): die Insulinmenge richtet sich nach der Nahrungsaufnahme und den enthaltenen Broteinheiten. Gerade Typ I Diabetiker sollten auf diese Therapieform eingeschult werden.


Insulinpumpe:
Die Funktionelle Insulintherapie kann auch mit einer Insulinpumpe erfolgen. Dabei wird von einem Gerät Insulin aus einer handelsüblichen Patrone über einen Schlauch und eine liegende dünne Nadel dem Körper zugeführt. Die Basalrate erfolgt durch kontinuierliche Abgabe, und bei Nahrungsaufnahme kann man eine entsprechende Dosis als Bolus zuführen. Diese Therapie wird von Typ I Diabetikern zunehmend geschätzt. Die Schulung kann nur in spezialisierten Zentren erfolgen, bei Typ I Diabetikern übernimmt die Kasse die Kosten. Die Enwicklung, die Dosis nach den Messergebnissen einer  kontinuierlichen Zuckermessung (CGM) weitgehend automatisiert von der Pumpe anpassen zu lassen, steht knapp vor dem Durchbruch, die ersten System sind bereits erhältlich,  aber eine Kostenübernahme durch die Kassen ist derzeit noch nicht vorgesehen.

Angst vorm Insulinspritzen?

Insulin macht nicht "abhängig". Wenn Sie zu wenig Insulin produzieren, muss es aber mittels  Injektionen ersetzt werden. Dies hat nichts mit einem Suchtverhalten zu tun.
Die Industrie hat große Anstrengungen unternommen, den Diabetikern das Insulinspritzen zu erleichtern. Die modernen Spritzen mit austauschbaren Patronen haben die Form einer Füllfeder und werden deshalb auch Pen genannt. Die Nadeln sind sehr dünn, denn sie müssen nur wenige Millimeter unter die Haut eindringen. Der Schmerz ist deshalb sehr gering. Der Umgang mit den Spritzen ist sehr einfach erlernbar.

 

 

 

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